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Die auditiv-verbale Therapie ist eine spezielle Therapie zur Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen mit eingeschränktem Hörvermögen, die auf technische Hilfsmittel wie Hörgeräte oder ein Cochlea-Implantat angewiesen sind.
Das Ziel dieser Therapie ist, über das Hören eine natürliche altersgemäße Sprache und Kommunikation zu entwickeln und den Kindern damit eine Entwicklung in normalen Lern- und Lebensumständen zu ermöglichen, in denen sie unabhängige selbstbestimmte Mitglieder unserer Gesellschaft werden können. Voraussetzung dafür ist ein frühestmöglich versorgtes Restgehör, um die Phasen der Entwicklung und Reifung des Gehirns zu nutzen.
Therapeuten für auditiv-verbale Therapie begleiten den Prozess der technischen Anpassung von Hörgeräten und Cochlea-Implantaten in Kooperation mit den Pädakustikern, Audiologen und klinischen Ingenieuren. Sie orientieren sich in ihrer Zielsetzung an der natürlichen kindlichen Sprachentwicklung. Die größte Bedeutung in dem Prozess haben jedoch die Eltern des Kindes. Sie erlernen in den Sitzungen Techniken und Strategien, die sie im häuslichen Alltag einsetzen können, um ihnen das Hören- und Sprechen-Lernen zu erleichtern.
Prinzipien der AVT
Die folgenden Prinzipien, die im Januar 2006 durch die A.G.Bell Academy for Listening and Spoken Language® in Anlehnung an Doreen Pollack (1970) formuliert wurden, bilden die Grundlage des Auditiv-Verbalen Ansatzes für praktizierende AV-Therapeuten.
Die Bezeichnung “Eltern” umfasst alle engen Bezugspersonen des Kindes, wie Großeltern, Verwandte, Tagesmutter etc.
Aussprache: Im natürlichen Spracherwerb vereinfacht jedes Kind seine Aussprache. Kinder lassen dabei oft Laute oder Silben weg und ersetzen sie durch andere. In Studien zum kindlichen Ausspracheerwerb nach Anette Fox ist erfasst, wann diese Vereinfachungen gar nicht oder nicht mehr dem altersgemäßen Spracherwerb entsprechen. In der Regel beherrschen Kinder im Alter von 4 bis 5 Jahren die Ausspracheregeln ihrer Muttersprache sicher. Unsere Therapie setzt dann ein, wenn Kinder in ihrer Entwicklung verzögert sind oder eine eigene Aussprache »erfinden«. Störungen beim Lernen von Lesen und Schreiben hängen häufig mit kindlichen Aussprachestörungen zusammen.
Wortschatz: Bei der Entwicklung des kindlichen Wortschatzes gibt es wichtige Meilensteine: Bereits mit einem Jahr verstehen Kinder viele Wörter und fangen an, diese zu sprechen. Mit 20 Monaten beginnt ein regelrechter Vokabelspurt. Bis zu zehn Wörter pro Tag werden dabei gelernt. Mit 24 Monaten sollen mindestens 50 bis 80 Wörter und alle Wortarten (Substantive, Verben, Adjektive, Füll- und Verbindungswörter) sowie Mehrwortäußerungen verwenden. Wenn diese Meilensteine nicht erreicht werden, schauen wir, welche Ursachen das haben kann. Dann beginnen wir, das Kind und seine unmittelbaren Bezugspersonen beim Durchlaufen und Erreichen dieser Entwicklungsstufen zu unterstützen.
Grammatik (Dysgrammatismus): Die Entwicklung grammatischer Regeln umfasst die richtige Stellung der Wörter im Satz und den richtigen Bau der Worte. Kinder beherrschen erste Regeln in ihrer Muttersprache mit etwa zwei Jahren und haben diese mit vier Jahren grundsätzlich erworben. Der Weg dahin vollzieht sich in verschiedenen Entwicklungsstufen, die eng verbunden sind mit dem Erwerb der Aussprache und es Wortschatzes und alle ineinander greifen.
Zur Beurteilung dieser Entwicklung haben wir unser Standardprogramm, bestehend aus verschiedenen Diagnostikmöglichkeiten, etabliert. Häufig sind mehrere Bereiche betroffen. Wir schauen uns alle Bereiche der sprachlichen Fähigkeiten eines Kindes an. Diese Ergebnisse besprechen wir im Team und erstellen dann einen individuellen Behandlungsplan bei dem das Lernen an der Schnittstelle der einzelnen sprachlichen Bereiche schnell und effizient erfolgen kann.
Stottern: Als Stottern bezeichnet man, wenn Laute, Silben und Worte mehrfach wiederholt werden; bei Dehnungen und Stockungen im Redefluss oder wenn Sätze nicht beendet werden. Das geschieht nicht willentlich, und die Patienten stehen oft unter einem großen Leidensdruck. Ihre Kommunikationsfreude kann beeinträchtigt werden – darüber sprechen wir. Und natürlich über die Techniken, die helfen, im Alltag besser klar zu kommen.
Poltern: Zu schnelle, hastige, überstürzte Redeweise, die zu ausgelassenen Silben, undeutlichen Wörtern und Wiederholungen führt, nennt man Poltern. Anders als beim Stottern kann das Poltern willentlich beeinflusst werden.
Mutismus ist heilbar!
Mutismus bezeichnet eine Hemmung der Lautsprache trotz sprachlicher altersgemäßer Fähigkeiten gegenüber einem bestimmten Personenkreis. Das Hör- und Sprechvermögen ist erhalten. Es liegen keine organischen Störungen vor.
Mutismus als Störungsbild ist vielen Menschen, dabei auch Ärzten, noch weitestgehend unbekannt, so dass es oftmals ein langer Weg bis zur Diagnose ist. Bei rechtzeitiger Behandlung muss Mutismus jedoch kein Schicksal sein. Er ist bei rechtzeitiger Therapie gut bis sehr gut zu überwinden. Deshalb ist es wichtig, dass Betroffene und deren Angehörige gut über dieses Störungsbild informiert sind.
In unserer Praxis bieten wir die Therapiemethode SYMUT nach Dr. Boris Hartmann an.
Muskeln in Mund, Kiefer und Gesicht spielen anders zusammen, als gewollt. Manchmal zeigt sich das durch eine veränderte Aussprache oder ein verändertes Schlucken. Häufig sind die Laute »sch« und »s« betroffen, die dann anders klingen. Die Zunge liegt mit verminderter Muskelspannung im Mund, wenn sie gerade nicht benutzt wird und erfüllt ihre Funktion beim Schlucken nicht richtig. Kinnmuskel und Lippen werden dann zum Schlucken mit aktiviert. Dadurch können sich dadurch Gaumen und Kiefer falsch ausbilden und Zahnfehlstellungen entstehen. Bei Erwachsenen kann es infolge eines Unfalls oder Schlaganfalls zu Muskel- und Nervenschädigungen kommen, so dass Schlucken und Sprechen beeinträchtigt sind.
Man spricht von einer Lese- und Rechtschreibschwäche, wenn Kinder bei normaler Intelligenz auffällige Schwierigkeiten mit dem Lesen- und/oder Schreibenlernen haben. Die Ursachen sind vielfältig: Es sich oft um eine Folge von Sprachentwicklungsverzögerungen bzw. um ein verdecktes Bestehen einer sprachlichen Verzögerungen. Manchmal liegt es an Verarbeitungsstörungen bei Gehörtem und Gesehenem oder an der Unfähigkeit, die Sprache zu abstrahieren. Die Kinder können z.B. Wörter nicht in Silben oder Betonungsmuster zerlegen, einzelne Laute nicht heraushören oder sich längere Wörter und Sätze nicht behalten. Eine genaue, differenzierte, altersgemäße Diagnostik ist sehr wichtig, um gezielt auf die bestehenden Schwierigkeiten einzugehen.
Funktionelle Störungen können entstehen, wenn eine Stimme nur unter vermehrtem oder vermindertem Kraftaufwand ertönt oder wenn sie in ihrem Umfang an hohen und tiefen Tönen eingeschränkt ist. Auch dauerhafte Heiserkeit kann durch eine funktionelle Störung entstehen – das ist besonders bei Menschen der Fall, die ihre Stimme häufig einsetzen, besonders in Sing- und Sprechberufen. Organische Ursachen sind Defekte des Kehlkopfes und der Stimmbänder, verbunden mit Missempfindungen. Manchmal entwickeln sie sich aus funktionellen Störungen.
Aphasie: Wortlosigkeit oder Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden, Silben- und Wortsalat, Versprecher und Sätze im Telegrammstil sind oft die Folge von Schlaganfällen oder von Tumoren. Oft sind auch das Verstehen von Gesagtem und Geschriebenem bzw. das eigene Schreiben beeinträchtigt. Das heißt aber nicht, dass die Intelligenz des Betroffenen vermindert wäre. Doch durch ihr vermindertes Kommunikationsvermögen werden sie in ihrer Lebensqualität stark eingeschränkt. Die sozialen Kontakte gestalten sich schwierig, die Folgen erleben sowohl die Betroffenen als auch ihre nächste Umgebung als sehr belastend.
Die Ursachen möglicher Schluckstörungen sind sehr vielfältig und werden unterschieden in:
Die Therapie beruht auf 4 Säulen:
In der logopädischen Therapie wird versucht, die verloren gegangenen Funktionen des Schluckaktes wiederzugewinnen, bzw. bestehende Störungen zu verbessern. Grundlage hierfür ist eine genaue Analyse von Atmung, Stimme, orofazialer Muskulatur und des Schluckvorganges.
Die eigentliche Therapie umfasst die Herstellung einer physiologischen Ausgangsstellung, Training funktioneller Grundlagen, wie richtige Atmung und Provokation von Schutzreflexen, wie z.B. Husten, Stimulationstechniken und das Erarbeiten von Schlucktechniken. Hinzu kommt das Anpassen der Nahrungskonsistenz an die Stufe der Schluckfähigkeit des Patienten.
Dysarthrie: Die Aussprache ist undeutlich und verwaschen, weil die Muskelgruppen, die für das Sprechen zuständig sind, nicht richtig zusammenspielen, geschwächt oder gelähmt sind. Die Ursache ist eine Schädigung des Zentralnervensystems – etwa durch ein Schädel-Hirn-Trauma, Parkinson oder Multipler Sklerose.